Bei wenigen Themen wird so kontrovers diskutiert, wie bei Konfektionsgrößen, die sich außerhalb der – in jedem Land unterschiedlichen – Normbereiche bewegen. Das vor allem übermäßiger Bauchspeck (im Gegensatz zu anderen Speckpolstern, wie ich von der Schwägerin gelernt habe) genauso lebensverkürzend sein kann, wie Untergewicht, ist hinreichend bekannt. Kritisch kommentiert werden aber selten die Skinny-Jeans-Typen sondern eher die Plus-Size-Träger. Für die „starken Frauen“ ein Nähbuch* herauszubringen, das diesen Selbernähern Schnittmuster an die Hand gibt, bei denen sie nicht erst durch Vergrößerungsexperimente auf ein tragbares Ergebnis kommen, ist mindestens ebenso genial, wie die Titelwahl.
Abbildung Edition Fischer
Das Buch stellt acht verschiedene Schnittmuster vor, mit denen man sich komplett einkleiden könnte. Eine Tunika, zwei Blusen, Rock und Hose, ein Kleid, eine Strickjacke sowie ein Mantel sind dabei, die jeweils in verschiedenen Varianten genäht werden können. Vor dem Projekteteil gibt die Autorin eine Einführung in das Nähen und – was mich besonders begeistert – eine Erläuterung zum Abändern von Schnittmustern. Hinweise zur Anpassung der verschiedenen Weiten von Taille, Hüfte oder Brust habe ich bislang in noch keinem meiner Nähbücher.
Abbildung Edition Fischer
Die Projekte haben jeweils schematische Zeichnungen für die verschiedenen Varianten, Stoffempfehlungen, Stoffverbrauch und einen Zuschneideplan. Die einzelnen Nähschritte werden als Fotoanleitung abgebildet und sind so auch für den Nähanfänger gut nachvollziehbar, wie ich selbst bereits an den Schnittchen-Anleitungen getestet habe.
Abbildung Edition Fischer
Bei einigen Modellen wie dem Kleid oder der Tunika überlege ich, ob ich mit ein paar mutigen Verkleinerungsnähten nicht vielleicht doch die Modelle für mich selbst nähen könnte. Andere – wie beispielsweise die Hose – treffen meinen Geschmack hingegen nicht. Wie mein Instagram-Account schon gezeigt hat, geht die Diskussion bei solchen Schnitten ganz schnell in die Richtung, ob Schnittmuster für große Größen nur dann gut sind, wenn sie die die Röllchen kaschieren und eben nicht betonen, was da ist.
Abbildung Edition Fischer
Sehr erhellend finde ich daher, dass Silke Türck am Ende ihrer 176 seitigen, broschierten Ausgabe fünf Plus-Size-Blogger selbst zu Wort kommen lässt. Bei den Bloggerinnen von Katastrophal, Lu zieht an, Beaute plantureuse, In fat style und Nimmersatt kann man gut nachvollziehen, dass dort eben kein verhüllender Kartoffelsacklook gefragt ist, sondern durchaus körper- und kurvenbetonende Kleidung.
Abbildung Edition Fischer
Alle diese Blogger gehören übrigens zu den Plus-Size-Fashion-Bloggern, was bedeutet, dass ihre Onlinetagebücher vor tragbaren Outfits förmlich überquellen. Leider zeigen die Kaufangaben, dass dabei (viel zu) oft zu Fast Fashion Anbietern gegriffen wird. Über den ökologischen und sozialen Hintergrund der Billigkleidung¹ und der Sinnhaftigkeit vollgestopfter Kleiderschränke scheint dabei wenig nachgedacht zu werden.
Vielleicht stehen die fünf Blogger ja nicht nur Modell für dieses Buch sondern nähen die Schnittmuster, die online als Download und auf einer CD, die sich auf der hinteren Umschlagsseite in einer witzigen Aufbewahrungstasche befindet, auch selbst. Wenn sich dabei die Erkenntnis einstellt, dass Kleidungsstücke zu so geringen Preisen, dass man sich problemlos pro Saison den kompletten Kleiderschrank neu zusammenstellen kann, eben nur unter katastrophalen Produktionsbedingungen entstehen können, ist das Sahneschnittchen-Buch* noch viel mehr als seine 24,99 € Buchhandelspreis wert.
¹ Oftmals bekommt man bei solchen Kritiken vorgeworfen, dass man doch sicherlich selbst bei den Großkonzernen einkaufen würde oder die Euronen im Überfluss hätte, um Ökokleidung kaufen zu können. Beides kann ich mittlerweile verneinen. Nach Jahren des bedenkenlosen – aber noch nie massenweisen – Klamottenkaufs gibt es mittlerweile nur noch Selbstgenähtes, Gebrauchtes via Mami- und Kleiderkreisel oder als Geschenk tatsächlich Bio-Kleidung. So bleibt es dann bei einem Kaufshirt pro Saison und das ist gut so.
Lange habe ich an keinem sew-along mehr teilgenommen, was vielleicht auch dran liegt, dass die Wochenthemen hier inzwischen ziemlich gesetzt sind. Jede Woche eine Buchrezension, Einblicke in das Vierseithofprojekt und die Kreativthemen sollen ja auch nicht zu kurz kommen. Der Blog-Themenstapel ist bei mir jedenfalls immer (viel) höher, als die Woche Tage hat. Bei der Puppenmitmacherei von Naturkinderund Mariengoldwill ich aber wirklich gerne dabei sein. Glücklicherweise kommt mir der Zeitplan, der sich bis Dezember hinzieht, da auch sehr entgegen.
Beim heutigen ersten Treffen geht es erstmal nur um eine Ideensammlung. Bei mir steht schon fest, dass die Puppe für den Sohnemann als Weinachtsgeschenk gedacht ist. Während das Tochterkind zum 1. Geburtstag mein Erstlingswerksamt Puppenbett und ein Jahr später das Folgemodellmit Puppenwagen bekommen hat, ist der Sohnemann noch völlig ohne eigene Puppe. Das Kinderzimmer quillt zwar über von Plüschtieren aller Art und momentan ist er sehr Teddybär fixiert, aber eine eigene Puppe zu Weihnachten wird dennoch ein schönes Geschenk.
Der Juni hat uns nun bereits das zweite Richtfest gebracht und wie der 12tel Blick für die Fotoaktion von Tabea Heinicker zeigt, stehen inzwischen alle vier Gebäude wieder. Die zwei Neubauten schmückt ein neues Dach, während die beiden Altbauten weiterhin die Notdeckung oder auch gar kein Dach haben.
Am Blick zurück erkennt man, dass beide Gebäude an die gleiche Stelle gesetzt wurden und in der Kubatur nun minimal verändert sind. Da auf dem Vierseithof Ensembleschutz liegt, wäre das auch gar nicht anders gegangen.
Vor zwei Jahren haben wir uns auf dem Hof getroffen, um uns über die Außengestaltung abzustimmen. Wenn man jetzt bedenkt, dass die Gelder bei einigen Familien wohl noch nicht mal den Innenausbau abdecken werden, kommt einem das schon etwas seltsam vor. Auch die Zusammensetzung hat sich seitdem ziemlich stark verändert. Im letzten Jahr haben die offiziellen Bauarbeiten auf dem Hof begonnen. Wir sanieren nun also mit Firmen genau ein Jahr.
Unverändert sind die wöchentlichen (endlosen) Aufgabenliste der Eigenleistungen. Neben der recht angeschlagenen Grundmotivation hinterlassen beim starken Geschlecht die Bauzeiten langsam auch körperliche Spuren. Als kleiner Einblick in die Aufgabenliste für nur eines der Juni-Wochenenden:
– Reste der querstehenden Wände bis auf Höhe betoniertes Balkenauflager abtragen, alle Decken besenrein
– Räume EG beräumen = Bauschutt in Container (im EG Mitte links ist noch ein kleines Stück Wand abzubrechen), Pflastersteine in BigPacks (und dann per Kran hinter Parkplatz), Sandsteine auf Europaletten, Müll entsorgen
– Bodenaushub HH Eingangsbereich finalisieren
– Entfernen von Dielung und Einschub bis 1.5m von Außenrand im DG Ost bis zu Fachwerkswand
– Abbruch markierter Ausfachungen Innenwand DG Süd
– Deckenabbruch OG M., G. (Putz und Stroh separat von Holz entsorgen)
– Anstrich Fachwerk Innenhof
– „Nut“ in Sandsteingewände verfüllen
– Durchgang im Gemeinschaftsraum fertig abbrechen (gemäß Markierung)
Zurück zu den positiven Entwicklungen auf dem Hof. Scheune, Anbau und ein Teil des Herrenhauses haben Fenster. Zumindest bei den Altbauten hätten wir darauf zwar gerne noch etwas gewartet, denn momentan ist ja noch nichtmal die Deckensanierung im Dachgeschoss abgeschlossen. Im Passivhausneubau gibt es riesige Hebe-Schiebe-Türen mit 700 kg Eigengewicht, deren Anblick mich auf den „beschaulichen“ Fachwerkcharakter noch ein bisschen mehr freuen lässt. Räume mit Fenstern bekommen aber tatsächlich gleich einen ganz anderen Charakter – man könnte meinen, es wird dieses Jahr doch noch etwas mit dem Einzug, auch wenn das sicherlich Wunschdenken bleibt. Außerdem sind große Teile des Fachwerks nun mit Lehmsteinen neu ausgemauert.
Auch wenn der Sinnblick von blick7 dieses Jahr nicht weitergeführt wird, bleibe ich aufmerksam:
Gesehen:
Fenster im Erdgeschoss und verklebte Bitumenbahnen auf der Bodenplatte.
Gehört:
Das Schleifgerät vom Sandsteingewändebearbeiter und den Abbruchhammer vom Mann. Außerdem Anfang des Monats ein Bauherrenseminar über Naturfarben, über das noch gebloggt werden soll
Gerochen:
Leinölfirnis und Balsamterpentinöl vom Fachwerkölen
Gedacht:
Wenn dieser Blogbericht online geht, sollen die nächsten Zahlen und ein aktualisierter Bauablaufplan auf dem Tisch liegen …
Gefühlt:
Beklommenheit, wenn ich an die Euronen denke, die dieses Bauprojekt verschlingt und dennoch große Vorfreude auf die allermeisten Nachbarn
Im Juni waren Knöpfe bei den Stoffspielereien das Thema. Da diese Themen Ansporn sein sollen, etwas neues zu probieren, hatte ich eigentlich vor mindestens eine Variante aus dem geschenkten Buch “ Knöpfe selber machen“* auszuprobieren, bei dem mit Glasperlen gehäkelt wird. Der Juni war aber mit dem Vierseithofprojekt, Glaskunst-Workshop und meiner kleinen Familienauszeit in Stockholm so voll, dass es nun leider doch nur ein Rückblick mit meiner Knopfmaschine wird.
Seit mittlerweile schon fast vier Jahren steht bei mir eine Knopfmaschine. Mit diesem gusseisernen Monstrum und den dazugehörigen Rohlingen lassen sich drei verschiedene Größen herstellen. Technisch gesehehen, passiert dabei nichts anderes als bei den Knopfsets von Prym*, aber – vermutlich – ist man deutlich schneller.
Nach den Hinweisen von Mit Nadel und Faden habe ich außerdem den anfang benutzten Olfa-Kreisschneider* gegen die deutlich bessere Prym-Variante*getauscht und habe damit nun eine gute Möglichkeit die Stoffkreise zuzuschneiden. Die Praxis zeigt aber, dass ich bei der kleinsten Größe leider immer den meisten Ausschuss produziere und die Miniknöpfe sich auch irgendwann wieder lösen können. Der Stoff wird unter dem Metallrohling eingefaltet und die Unterseite in die Deckeloberseite gepresst, wofür man relativ viel Kraft braucht.
Nachteilig bliebt für mich, dass die Unterseiten der Knöpfe nur aus Plastik sind, die zwar bislang jede Runde in der Waschmaschine überstanden haben, aber die trotzdem immer etwas billig aussehen. Außerdem sind die Annähstege ziemlich hoch. Der reinen Metallvariante*sagt man zwar nach, dass die den Stoff verfärben könnten, aber eigentlich will ich schon länger mal ausprobieren, ob man diese nicht doch mit der Knopfmaschine kombinieren kann. Das würde auch unsererm plastikfrei-Weg näher kommen.
Geknopft habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder, wenn auch eigentlich zu selten. Die passenden Knöpfe zum Nähprojekt herstellen zu können, ist eine feine Sache und auch als kleine Nähgeschenke eignen sie sich gut.
Die Knöpfe bleiben selbstgemachtes DIY-Material, denn wenn man genau hinschaut, sieht man die silbrige Oberfläche durch den Stoff hindurch, was in der Schneiderlehre sicherlich nicht akzeptabel wäre. Außerdem kann man sich nie ganz sicher sein, ob sich die Ober- und Unterseite doch irgendwann löst, wenn der Stoffkreis zu groß gewählt wurde und zu viel Stoff im Knopfinneren gelandet ist. Als Verkaufsvariante eignen sich daher nicht, aber für die eigenen Projekte macht die Knopferei doch immer wieder großen Spaß.
Die Stoffspielereien-Knopf-Ideen sammelt heute frifris.
Die Blogeinnahmen vom Maisind vielleicht auch deshalb etwas rückläufig, weil wir bei unserem Blogkooperationspartner Internaht als alternative Onlineplattform diesmal den Etsy-Shop* verlinkt haben. Etsy*, die es als internationale Online-Plattform im DIY-Bereich seit genau zehn Jahren gibt, hat es nach meiner Beobachtung in Deutschland nicht gerade einfach, obwohl es dort eher um Qualität stat Quantität geht. Selbst die EtysLabs, die ich selbst schon in Berlinund Dresdenbesucht habe oder die Etsy-Craft-Party konnte daran noch nicht wirklich viel ändern.
Manchmal habe ich ja das Gefühl, dass die Internationalität etwas im Wege steht und die Sorge zu groß ist, das man sich bei einigen Anbietern mit Zollgeschichten und Transportbedingungen aus dem Ausland beschäftigen muss. Daher freue ich mich, dass der Etsy Design Award nun speziell Handmade-Shops aus Deutschland und Österreich vorstellen will. In den nächsten vier Wochen kann man sich anmelden.
Beim Etsy kids pop-up Shop im letzten Jahr gab es auch für mich schon einige „lokale“ Neuentdeckungen wie hebbedinge*,ambaZamba*, Kandatsu*, alinear*, Jungs&Söhne* oder ehrtweibchen*. Nun bin ich sehr gespannt, wer sich beim Etsy Design Awards bewirbt und in den einzelnen Kategorien von der Jury ausgewählt wird. Zu gewinnen gibt es nicht nur eine Reise für zwei Personen nach New York sondern vor allem Werbung für die eigenen Produkte bei verschiedenen Social-Media-Kanälen sowie den Jury-Mitgliedern Couchund iGNANT.
Und ihr? Kennt ihr Etsy und habt Lieblingsdesigner, die sich dort bewerben sollten?
Jede Plastikflasche weniger hilft! Bei unseren Kindern sind seit Jahren Emil-Flaschen* im Einsatz während wir Erwachsene von der bei der Markteinführung mitfinanziertenSoulbottle* überzeugt sind.
Aktuelles Lieblingsbuch des kleinen Sohnes (7 Jahre)*
Hehehe, so ein Schlawiner! Ich würde genauso wie du leiden, ginge es um Rechnungswesen. :)
Ich bin begeistert, ein richtig tolles Kostüm ist das geworden. Blöd, dass Du es erst falschherum eingenäht hast, aber das…
Alles Gute zum Bloggeburtstag! Ich blogge nicht mehr, aber ich lese nach wie vor gerne Blogs. Bin gespannt wo sich…
Auch von mir noch alles Gute zum Bloggeburtstag. 15 Jahre, das ist ja 'ne Hausnummer. Ich habe vor etwa 15…
Was für ein interessantes Fotomotiv. Da bin ich doch gespannt, ob im Laufe des Jahres wirklich etwas passiert... (Das scheint…